Wie der Generator rechnet
Jedes Zeichen wird unabhängig und gleichverteilt aus dem gewählten Vorrat gezogen. Die Stärke eines solchen Passworts lässt sich als Entropie in Bit angeben, nach der Formel für die Entropie einer Gleichverteilung:
Entropie in Bit = Länge × log₂(Größe des Zeichenvorrats)
Mit allen vier Zeichenklassen umfasst der Vorrat 94 druckbare ASCII-Zeichen: 26
Kleinbuchstaben, 26 Großbuchstaben, 10 Ziffern und 32 Sonderzeichen. Das sind 6,56 Bit pro
Zeichen. Nur Buchstaben und Ziffern ergeben 62 Zeichen und 5,95 Bit, nur Kleinbuchstaben 26
Zeichen und 4,70 Bit. Werden ähnliche Zeichen wie i l 1 I | o O 0
ausgeschlossen, schrumpft der Vorrat auf 86 Zeichen, was die Anzeige berücksichtigt.
Bei der Passphrase tritt die Wortliste an die Stelle des Zeichenvorrats. Die eingebettete Liste enthält 395 kurze deutsche Wörter ohne Umlaute; jedes zufällig gezogene Wort steuert log₂(395) ≈ 8,6 Bit bei, unabhängig davon, wie lang es ist. Trennzeichen und Großschreibung sind feste Einstellungen und zählen nicht mit.
Der Zufall stammt aus crypto.getRandomValues, dem kryptografisch sicheren
Zufallsgenerator des Browsers. Math.random wäre ungeeignet, weil seine Werte
vorhersagbar sein können. Damit kein Zeichen bevorzugt wird, verwirft der Generator
Zufallswerte, die sich nicht gleichmäßig auf den Vorrat abbilden lassen (Rejection
Sampling), und zieht neu.
Durchgerechnetes Beispiel
Ein Passwort mit 14 Zeichen aus Groß-, Kleinbuchstaben und Ziffern: Vorrat 62, log₂(62) = 5,95, also 14 × 5,95 = 83,4 Bit. Ein Angreifer, der eine gestohlene Hash-Datenbank mit 10 Milliarden Versuchen pro Sekunde durchprobiert, braucht im Mittel 282,4 Versuche. Das sind rund 19,6 Millionen Jahre.
Dasselbe Passwort auf 8 Zeichen gekürzt, dafür mit Sonderzeichen: 8 × 6,56 = 52,4 Bit. Der gleiche Angriff dauert im Mittel etwa 4 Tage. Die sechs zusätzlichen Zeichen wiegen also deutlich mehr als die vierte Zeichenklasse. Genau deshalb stellen BSI und NIST die Länge über die Komplexität.
Typische Werte
| Einstellung | Vorrat | Entropie | Offline-Angriff, 1010/s | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| 8 Zeichen, 4 Klassen | 94 | 52 Bit | 4 Tage | mittel |
| 10 Zeichen, 4 Klassen | 94 | 66 Bit | 85 Jahre | stark |
| 12 Zeichen, Buchstaben und Ziffern | 62 | 72 Bit | 5.100 Jahre | stark |
| 16 Zeichen, 4 Klassen | 94 | 105 Bit | 59 Billionen Jahre | sehr stark |
| 20 Zeichen, Kleinbuchstaben und Ziffern | 36 | 103 Bit | 21 Billionen Jahre | sehr stark |
| 25 Zeichen, nur Kleinbuchstaben | 26 | 118 Bit | über 1 Billiarde Jahre | sehr stark |
| Passphrase, 4 Wörter | 395 | 35 Bit | 1 Sekunde | schwach |
| Passphrase, 6 Wörter | 395 | 52 Bit | 2 Tage | mittel |
| Passphrase, 8 Wörter | 395 | 69 Bit | 939 Jahre | stark |
Die Dauer ist der Mittelwert, also die Hälfte des Suchraums geteilt durch die Rate. Bei 100 Versuchen pro Sekunde, wie sie ein Login mit Ratenbegrenzung zulässt, liegen alle Werte ab 40 Bit im Bereich von Jahrhunderten.
Zufallspasswort oder Passphrase
Das Zufallspasswort ist die richtige Wahl für alles, was ein Passwortmanager ausfüllt. Dort spielt Merkbarkeit keine Rolle, und 20 Zeichen aus vier Klassen sind mit 131 Bit weit jenseits jeder praktischen Angriffsmöglichkeit.
Die Passphrase ist für das gedacht, was du tippen und dir merken musst: das Master-Passwort des Managers, die Anmeldung am Rechner, das WLAN oder eine Festplattenverschlüsselung. Bei 8,6 Bit pro Wort brauchst du sieben bis acht Wörter, um auf das Niveau eines zwölfstelligen Zufallspassworts zu kommen. Größere Listen wie Diceware mit 7.776 Wörtern liefern 12,9 Bit pro Wort und erreichen mit sechs Wörtern 78 Bit. Die Liste hier ist bewusst kurz und aus geläufigen Wörtern zusammengesetzt, damit sich die Phrase auf jeder Tastatur tippen lässt. Der Preis dafür sind ein bis zwei Wörter mehr.
Was BSI und NIST empfehlen (Stand 2026)
Das BSI nennt in seiner Empfehlung „Sichere Passwörter erstellen“ zwei gleichwertige Wege: kurz und komplex mit mindestens 8 Zeichen aus vier Zeichenarten, oder lang und weniger komplex mit mindestens 25 Zeichen aus zwei Zeichenarten. Für das WLAN sollen es mindestens 20 Zeichen sein. Ein regelmäßiger Wechsel ohne konkreten Anlass wird nicht mehr empfohlen; ein Passwortmanager schon.
Die NIST Special Publication 800-63B in der Revision 4 vom Juli 2025 legt die Untergrenze bei 15 Zeichen, wenn das Passwort der einzige Faktor ist, und bei 8 Zeichen in Kombination mit einem zweiten Faktor. Dienste sollen mindestens 64 Zeichen zulassen, keine Komplexitätsregeln erzwingen, keinen turnusmäßigen Wechsel verlangen und neue Passwörter gegen Listen bekannter kompromittierter Passwörter prüfen. Die Voreinstellung des Generators mit 20 Zeichen aus vier Klassen liegt über beiden Mindestwerten.
Hinweise und Grenzen
- Die Entropie gilt nur für zufällig gezogene Zeichen. Für selbst ausgedachte Passwörter sagt die Formel nichts, dafür gibt es den Passwort-Check.
- Manche Dienste begrenzen die Länge oder lehnen bestimmte Sonderzeichen ab. Wähle dann die Sonderzeichen ab und erhöhe stattdessen die Länge.
- Die Zwischenablage wird von Clipboard-Managern und manchen Programmen mitgelesen. Übernimm das Passwort direkt in den Manager und überschreibe die Zwischenablage danach.
- Ein starkes Passwort ersetzt keinen zweiten Faktor. Wo der Dienst ihn anbietet, gehört er eingeschaltet, besonders für E-Mail-Postfach und Bank.
- Die Passwörter werden nicht gespeichert. Nach dem Neuladen der Seite sind sie weg.
Quellen
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Sichere Passwörter erstellen. Cyber-Sicherheitsempfehlungen, Accountschutz.
- BSI IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein ORP.4 Identitäts- und Berechtigungsmanagement.
- National Institute of Standards and Technology (NIST): Special Publication 800-63B, Revision 4, Digital Identity Guidelines: Authentication and Authenticator Management, Juli 2025.
- W3C Web Cryptography API, Methode Crypto.getRandomValues().
- Arnold G. Reinhold: The Diceware Passphrase Home Page (Wortliste mit 7.776 Einträgen).
Häufige Fragen
Läuft der Generator wirklich ohne Datenübertragung?
Ja. Die Seite enthält keinen Aufruf an einen Server, kein Formular und kein Tracking-Ereignis, das ein Passwort weitergibt. Du kannst das im Netzwerk-Tab der Browser-Entwicklerwerkzeuge prüfen: Beim Erzeugen entsteht keine einzige Anfrage. Auch mit getrenntem Internet nach dem Laden funktioniert der Generator weiter.
Wie lang sollte ein Passwort sein?
Für Konten, die ein Passwortmanager ausfüllt, sind 16 bis 20 zufällige Zeichen ein guter Standard, das ergibt über 100 Bit. NIST nennt 15 Zeichen als Untergrenze, wenn das Passwort der einzige Faktor ist, und 8 Zeichen in Kombination mit einem zweiten Faktor. Das BSI empfiehlt entweder 8 Zeichen aus vier Zeichenarten oder mindestens 25 Zeichen aus zwei.
Sind Sonderzeichen Pflicht?
Nein. Die vierte Zeichenklasse hebt die Entropie pro Zeichen von 5,95 auf 6,56 Bit, ein zusätzliches Zeichen bringt dagegen jeweils rund 6 Bit. 20 Zeichen aus Buchstaben und Ziffern sind deshalb stärker als 12 Zeichen mit Sonderzeichen. Sinnvoll sind Sonderzeichen vor allem, wenn ein Dienst die Länge begrenzt.
Warum stuft der Generator eine Passphrase mit sechs Wörtern nur als mittel ein?
Die eingebettete Liste hat 395 Wörter, jedes zufällig gezogene Wort liefert 8,6 Bit. Sechs Wörter ergeben 52 Bit, das reicht für Logins mit Ratenbegrenzung, ist aber gegen einen Offline-Angriff auf gestohlene Hashes knapp. Für ein Master-Passwort oder eine Festplattenverschlüsselung nimm sieben oder acht Wörter, das ergibt 60 bis 69 Bit.
Kann ich hier Passwörter für andere Personen erzeugen und per E-Mail verschicken?
Erzeugen ja, verschicken besser nicht. E-Mail und Messenger speichern den Text auf mehreren Servern und Geräten, das Passwort ist damit nicht mehr geheim. Nutze stattdessen die Freigabefunktion eines Passwortmanagers oder übergib es persönlich und lass es sofort ändern.