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VPN im Vergleich: Nutzen, Grenzen und die richtigen Auswahlkriterien

VPN-Werbung verspricht oft Rundumschutz. Der Ratgeber trennt die tatsächliche Funktion von den Marketingversprechen und zeigt die Auswahlkriterien, die zählen.

Kaum ein Sicherheitsprodukt wird so offensiv beworben wie das VPN. Die Versprechen reichen von vollständiger Anonymität bis zum Schutz vor Viren, und beides trifft nicht zu. Ein VPN ist ein präzise umrissenes Werkzeug: Es baut einen verschlüsselten Tunnel zu einem Server auf und lässt deinen gesamten Datenverkehr durch diesen Tunnel laufen. Alles, was daraus folgt, ergibt sich aus dieser einen Funktion.

Was ein VPN tatsächlich tut

Ohne VPN sieht dein Internetanbieter, welche Gegenstellen du ansprichst. Die besuchte Seite sieht deine IP-Adresse und damit ungefähr deinen Standort. Mit aktivem VPN verschiebt sich beides: Dein Anbieter sieht nur noch eine verschlüsselte Verbindung zum VPN-Server, und die besuchte Seite sieht die IP-Adresse dieses Servers statt deiner eigenen.

Daraus ergibt sich der reale Nutzen:

  • Der Netzbetreiber, in dessen WLAN du gerade hängst, erfährt nicht, welche Dienste du nutzt.
  • Deine tatsächliche IP-Adresse ist für die Gegenstelle nicht direkt sichtbar.
  • In unsicheren oder unbekannten Netzen wird die gesamte Strecke bis zum Server verschlüsselt, auch bei Diensten, die selbst schlecht abgesichert sind.

Ebenso klar ist, was ein VPN nicht leistet. Es blockt keine Schadsoftware, es verhindert kein Phishing, es schützt kein schwaches Passwort und es hindert niemanden daran, dich über dein Login-Konto wiederzuerkennen. Wer bei einem Dienst angemeldet ist, ist angemeldet, unabhängig davon, über welchen Server die Verbindung läuft.

No-Log: Versprechen und Nachweis

Das zentrale Vertrauensproblem beim VPN ist simpel: Du verlagerst die Einsicht in deinen Datenverkehr von deinem Internetanbieter zum VPN-Anbieter. Ob das eine Verbesserung ist, hängt vollständig davon ab, wie dieser Anbieter arbeitet.

Deshalb ist “No-Log” das meistgenutzte Werbeversprechen der Branche. Prüfbar wird es erst durch Belege:

NachweisformAussagekraftWorauf du achten solltest
Eigene Erklärung auf der WebseitegeringNicht überprüfbar, jederzeit änderbar
Unabhängiges Audit einer Prüfgesellschaftmittel bis hochDatum, Prüfumfang und ob der Bericht öffentlich ist
Serverbetrieb ohne Festplatten (RAM-only)mittelTechnisch nachvollziehbar, aber vom Anbieter behauptet
Dokumentierte Behördenanfrage ohne DatenherausgabehochQuelle im Original prüfen, nicht die Werbeseite
Transparenzbericht in festen AbständenmittelRegelmäßigkeit zählt mehr als ein Einzelbericht

Ein Audit ist immer eine Momentaufnahme. Ein Bericht von vor mehreren Jahren sagt über den heutigen Betrieb wenig aus. Achte außerdem auf den Prüfumfang: Manche Audits betrachten nur die Apps, nicht die Serverinfrastruktur.

Auch der Firmensitz ist ein Kriterium, allerdings ein oft überzeichnetes. Rechtsordnungen unterscheiden sich bei Vorratsdatenspeicherung und Herausgabepflichten, aber kein Standort ersetzt eine Infrastruktur, die schlicht keine verwertbaren Daten vorhält.

Protokolle: WireGuard und OpenVPN

Zwei Protokolle dominieren den Markt. WireGuard ist deutlich jünger, kommt mit sehr wenig Programmcode aus und ist dadurch schneller und einfacher zu prüfen. OpenVPN ist älter, umfangreicher und gilt als extrem ausgereift, außerdem lässt es sich so konfigurieren, dass es auch durch restriktive Netze kommt. Viele Anbieter setzen zusätzlich eigene Varianten ein, die meist auf WireGuard aufsetzen.

Für die Praxis: WireGuard ist die Standardeinstellung der Wahl. Wenn eine Verbindung in einem Hotel- oder Firmennetz nicht zustande kommt, ist der Wechsel auf OpenVPN über TCP der erste sinnvolle Schritt. Ältere Protokolle wie PPTP solltest du nicht mehr verwenden, sie gelten seit Langem als unsicher.

Serverstandorte und Geschwindigkeit

Die beworbene Zahl der Server sagt wenig aus. Relevanter sind zwei Dinge: ob es Standorte in deiner geografischen Nähe gibt und wie stark sie ausgelastet sind. Jede VPN-Verbindung kostet Geschwindigkeit, weil der Verkehr einen Umweg nimmt und verschlüsselt wird. Ein Server im Nachbarland fällt kaum auf, ein Server auf einem anderen Kontinent macht sich bei Videotelefonie sofort bemerkbar.

Ein weiterer Punkt betrifft virtuelle Standorte: Manche Anbieter listen Länder auf, in denen physisch kein Server steht, sondern nur eine dort registrierte IP-Adresse auf Hardware anderswo genutzt wird. Für die reine Standortanzeige ist das unerheblich, für Latenz und Rechtsrahmen nicht.

Öffentliches WLAN, Streaming und andere Anwendungsfälle

Der häufigste beworbene Anwendungsfall ist das offene WLAN im Café, im Hotel oder am Flughafen. Das Argument war lange, dass fremde Teilnehmer im selben Netz mitlesen können. Durch die inzwischen fast durchgängige HTTPS-Verschlüsselung ist dieses Risiko kleiner geworden. Geblieben sind zwei Punkte: Der Netzbetreiber sieht weiterhin, welche Domains du ansprichst, und manipulierte Anmeldeportale lassen sich mit einem VPN entschärfen, sobald die Verbindung einmal steht.

Streaming ist der zweite große Anwendungsfall und gleichzeitig der unzuverlässigste. Anbieter von Videodiensten erkennen und sperren VPN-Adressbereiche systematisch, das Ergebnis schwankt daher ständig. Wer ein VPN in erster Linie dafür bucht, sollte wissen, dass sich der Zustand jederzeit ändern kann und dass die Nutzungsbedingungen der Streamingdienste das in der Regel untersagen.

Sinnvoll und stabil sind dagegen zwei weniger beworbene Anwendungen: der Zugriff auf das eigene Heimnetz von unterwegs und die Absicherung von Geräten, die selbst keine gute Verschlüsselung mitbringen. Viele Router bringen für den ersten Fall einen eigenen VPN-Server mit, dafür braucht es keinen kommerziellen Dienst. Wie du das einrichtest und was dabei zu beachten ist, steht im Ratgeber zum Router absichern.

Auswahlkriterien für einen Dienst

  • Kill Switch: kappt die Internetverbindung, wenn der Tunnel abreißt. Ohne diese Funktion läuft der Verkehr im Störungsfall ungeschützt weiter.
  • DNS-Anfragen im Tunnel: sonst sieht dein Internetanbieter weiterhin, welche Domains du aufrufst. Ein Leaktest nach der Einrichtung ist Pflicht.
  • Zahl paralleler Geräte: üblich sind fünf bis zehn, manche Anbieter erlauben die Einrichtung direkt auf dem Router und decken damit alles ab.
  • Eigene Apps für deine Systeme: eine reine Konfigurationsdatei ist möglich, aber im Alltag unbequem.
  • Verlängerungspreis: Mehrjahresangebote verlängern sich häufig zum vollen Listenpreis.

Was das für die Kaufentscheidung bedeutet

Ein VPN ist ein sinnvoller Baustein, aber ein schmaler. Buche einen Dienst, wenn du regelmäßig in fremden Netzen arbeitest, wenn du deinem Internetanbieter die Sicht auf deine Verbindungen nicht überlassen willst oder wenn du aus einem Land heraus auf Dienste zugreifst, die dort blockiert sind.

Verzichte darauf, wenn du dir davon Schutz vor Schadsoftware oder Anonymität erhoffst. Für diese Ziele sind ein aktueller Virenschutz und ein sauber geführter Passwortmanager die wirksameren Mittel. Und wenn es dir vor allem um den Zugriff auf das eigene Netz von unterwegs geht, prüfe zuerst, ob dein Router das schon kann. Das ist kostenlos, technisch sauber und für viele der eigentliche Bedarf hinter dem Wunsch nach einem VPN.

Häufige Fragen

Macht mich ein VPN im Internet anonym?

Nein. Ein VPN ersetzt deine IP-Adresse durch die des Servers und verschlüsselt die Strecke bis dorthin, mehr nicht. Sobald du dich irgendwo anmeldest, Cookies zulässt oder über einen wiedererkennbaren Browser surfst, bist du weiterhin identifizierbar.

Was kostet ein VPN-Dienst?

Monatlich gebuchte Tarife liegen meist zwischen 8 und 13 Euro, Jahres- oder Mehrjahresabos senken den Monatspreis deutlich. Sehr günstige Mehrjahresangebote verlängern sich häufig zum vollen Preis, das steht im Kleingedruckten. Kostenlose Dienste finanzieren sich in der Regel über Daten oder Werbung und sind für Sicherheitszwecke keine gute Wahl.

Kann ich einem No-Log-Versprechen trauen?

Ein Versprechen allein ist nicht überprüfbar. Aussagekräftiger sind unabhängige Prüfberichte von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die den Serverbetrieb einsehen, sowie dokumentierte Fälle, in denen ein Anbieter auf eine Behördenanfrage keine Daten liefern konnte. Beides solltest du im Original nachlesen und nicht der Werbeseite entnehmen.

Brauche ich ein VPN im öffentlichen WLAN?

Der klassische Grund war das Mitlesen unverschlüsselter Verbindungen, dieses Risiko ist durch die flächendeckende HTTPS-Verschlüsselung deutlich kleiner geworden. Ein VPN hilft weiterhin gegen manipulierte Anmeldeportale und dagegen, dass der Netzbetreiber deine besuchten Domains sieht. Als Grundschutz in fremden Netzen bleibt es sinnvoll, als alleinige Maßnahme reicht es nicht.

Welches Protokoll sollte ich einstellen?

WireGuard ist in den meisten Fällen die richtige Wahl, weil es schnell und schlank aufgebaut ist. OpenVPN gilt als sehr ausgereift und kommt durch mehr Netze hindurch, ist dafür langsamer. Wenn die Verbindung in einem bestimmten Netz nicht zustande kommt, ist der Wechsel zwischen beiden der erste sinnvolle Versuch.