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Fenster sichern und nachrüsten: Was wirklich Widerstand leistet

Die meisten Einbrüche laufen über das Fenster, und fast immer über Aufhebeln. Genau dagegen hilft Nachrüstung, wenn sie an der richtigen Stelle sitzt.

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Fenster und Fenstertüren sind der häufigste Angriffspunkt beim Einbruch in Wohngebäude, und das Vorgehen ist erstaunlich einheitlich: aufhebeln mit einem Schraubendreher am Flügelrand. Kein Glasbruch, kein Lärm, wenige Sekunden. Genau deshalb entscheidet nicht die Scheibe über die Sicherheit eines Fensters, sondern der Beschlag und die Verankerung im Mauerwerk.

Warum Aufhebeln funktioniert

Ein Standardfenster hält den Flügel mit Rollzapfen im Schließblech. Diese Zapfen sind rund und glatt. Wird der Flügel mit einem Hebel verformt, rutschen sie schlicht aus dem Blech heraus. Der Rahmen muss dafür nicht brechen, es genügt, ihn kurz zu verwinden.

Die Gegenmaßnahme setzt an genau dieser Stelle an: Zapfen, die sich nicht herausziehen lassen, und Bleche, die den Zug aushalten.

Pilzkopfverriegelung: die wirksamste Einzelmaßnahme

Bei der Pilzkopfverriegelung werden die runden Zapfen durch pilzförmige ersetzt, die beim Verschließen hinter eine Kante im Schließblech greifen. Der Flügel lässt sich dann nicht mehr einfach aus dem Rahmen hebeln, sondern nur noch unter erheblichem Kraft- und Zeitaufwand.

Drei Punkte entscheiden über die Wirkung:

  • Anzahl und Verteilung: Ein einzelner Pilzkopf hilft wenig. Sinnvoll ist eine umlaufende Verteilung, insbesondere an der Bandseite und an den Ecken, weil dort angesetzt wird.
  • Passende Schließbleche: Der Pilzkopf braucht ein Gegenstück, das die Kraft aufnimmt. Ein Pilzkopf in einem Standardblech reißt dieses heraus.
  • Verschraubung ins Mauerwerk: Sicherheitsschließbleche müssen durch den Rahmen hindurch im tragenden Mauerwerk verankert sein, nicht nur im Kunststoffprofil.

Ob sich dein vorhandener Beschlag umrüsten lässt, hängt vom System ab. Bei neueren Fenstern ist das oft möglich, bei alten Fenstern führt der Weg meist über einen Komplettaustausch.

Zusatzschlösser und abschließbare Griffe

Wo eine Beschlagumrüstung nicht möglich ist, kommen aufschraubbare Zusatzschlösser ins Spiel. Sie werden auf den Flügel und den Rahmen montiert und verriegeln beide mechanisch miteinander.

MaßnahmeWirkt gegenGrenzenAufwand
Abschließbarer FenstergriffÖffnen von außen nach Durchbohren oder Glasdurchgriffkaum Wirkung gegen Aufhebelnsehr gering, selbst tauschbar
Aufschraubbares ZusatzschlossAufhebeln an der Stelle der Montagewirkt punktuell, mehrere Stück nötiggering bis mittel
BandseitensicherungAushebeln an der Scharnierseiteschützt nur diese Seitegering
Pilzkopfverriegelung mit SicherheitsschließblechenAufhebeln umlaufendnur bei geeignetem Beschlag nachrüstbarFachbetrieb
Fensteraustausch nach RC2Aufhebeln, Glasdurchgriff, Beschlagangriffhöchster Aufwand und PreisFachbetrieb

Zusatzschlösser sollten immer paarweise und gegenüberliegend montiert werden. Ein einzelnes Schloss verlagert den Angriffspunkt nur, es beseitigt ihn nicht. Achte auf Prüfzeichen nach DIN 18104-1, das ist die Norm für nachträglich angebrachte Sicherungseinrichtungen an Fenstern und Fenstertüren.

Widerstandsklassen nach DIN EN 1627

Die Norm DIN EN 1627 klassifiziert Fenster, Türen und Abschlüsse danach, wie lange sie einem definierten Angriff standhalten. Geprüft wird immer das komplette Bauteil einschließlich Verglasung und Befestigung.

KlasseAngenommenes VorgehenWerkzeug (vereinfacht)Widerstandszeit
RC1 NAufhebeln mit körperlicher Gewaltohne definiertes Werkzeugkeine geprüfte Zeit
RC2 NAufhebeln, Verglasung nicht geprüftSchraubendreher, Zange, Keil3 Minuten
RC2Aufhebeln, mit einbruchhemmender Verglasungwie RC2 N3 Minuten
RC3Aufhebeln mit größerem Hebelzusätzlich Kuhfuß, zweiter Schraubendreher5 Minuten
RC4Angriff mit Schlag- und Sägewerkzeugzusätzlich Beil, Meißel, Akkubohrmaschine10 Minuten

Für Wohngebäude gilt RC2 als übliche Empfehlung, im Erdgeschoss und bei leicht erreichbaren Fenstern eher RC3. Wichtig ist die Einschränkung bei den N-Klassen: Sie setzen keine einbruchhemmende Verglasung voraus. Wo eine Scheibe leicht erreichbar ist und man nach dem Einschlagen an den Griff kommt, ist die Kombination aus RC2-Beschlag und Standardglas nur die halbe Miete.

Verglasung, Terrassentüren und der Sonderfall Kippstellung

Die Scheibe wird beim Einbruch selten angegriffen, weil Glasbruch laut ist und Schnittverletzungen riskiert. Relevant wird sie trotzdem in einem Fall: wenn sich nach dem Einschlagen einer kleinen Ecke der Griff von innen erreichen lässt. Genau deshalb ist die Kombination aus abschließbarem Griff und Standardglas oft sinnvoller, als sie zunächst klingt.

Einbruchhemmende Verglasung wird nach DIN EN 356 klassifiziert, für den Wohnbereich sind die durchwurfhemmenden Klassen der P-A-Reihe der übliche Bezugspunkt. Wichtig ist, dass die Scheibe im Rahmen verklebt oder verklotzt ist. Eine hochwertige Scheibe, die sich mitsamt der Glasleiste herausnehmen lässt, bringt nichts. Die Glasleiste gehört bei einbruchhemmenden Elementen deshalb grundsätzlich nach innen.

Terrassen- und Balkontüren verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sie sind groß, gut erreichbar, meist schlecht einsehbar und werden häufig als Hebe-Schiebetür ausgeführt. Bei Hebe-Schiebeelementen ist die Nachrüstung anspruchsvoller als am Drehkippfenster, weil der Flügel angehoben werden muss. Es gibt dafür spezielle Zusatzverriegelungen, ein pauschales Fensterzusatzschloss passt hier nicht.

Und der wichtigste kostenlose Hinweis überhaupt: Ein gekipptes Fenster gilt als offenes Fenster. Es lässt sich in Sekunden und ohne Werkzeugspuren vollständig öffnen. Das ist auch versicherungsrechtlich relevant, weil ein Einbruch durch ein gekipptes Fenster je nach Vertrag als einfacher Diebstahl gewertet werden kann. Wer lüften will, während niemand da ist, braucht dafür eine verriegelbare Spaltlüftung, nicht die normale Kippstellung.

Kellerfenster, Lichtschächte und Gitter

Kellerfenster sind klein, schlecht einsehbar und oft besonders schwach gesichert. Drei Wege sind üblich:

Ein Gitter ist wirksam, wenn es im tragenden Mauerwerk verankert ist und die Befestigungen von außen nicht zugänglich sind. Endet die Verankerung im Dämmputz, ist die Wirkung gering.

Eine Lichtschachtabdeckung aus Gitterrost mit Aufhebelsicherung schützt den gesamten Schacht statt nur des Fensters und lässt sich meist ohne Eingriff ins Mauerwerk montieren.

Der Fensteraustausch gegen ein einbruchhemmendes Element ist die konsequenteste Lösung, lohnt aber meist nur, wenn ohnehin saniert wird.

Denk in jedem Fall an den Fluchtweg. Ein fest verschlossenes Gitter kann im Brandfall zum Problem werden. Von innen entriegelbare Varianten sind hier die sinnvollere Wahl.

KfW-Förderung

Die KfW fördert Einbruchschutzmaßnahmen im Bestand im Rahmen ihrer Programme zum altersgerechten Umbauen, unter anderem Nachrüstsysteme an Fenstern und Türen, einbruchhemmende Gitter und Einbruchmeldeanlagen. Ob aktuell Zuschuss oder Kredit angeboten wird, welche Mindestsumme gilt und welche technischen Nachweise nötig sind, wird von der KfW regelmäßig angepasst. Zwei Punkte gelten erfahrungsgemäß durchgehend: Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt werden, und die Ausführung muss durch einen Fachbetrieb erfolgen und bestätigt werden. Prüfe die konkreten Konditionen deshalb direkt bei der KfW.

Was das für die Kaufentscheidung bedeutet

Setze die Prioritäten nach Erreichbarkeit des Fensters, nicht nach Raumnutzung:

  • Erdgeschoss und alles, was ohne Leiter erreichbar ist, zuerst. Dazu gehören auch Fenster über Garagendächern, Mülltonnen oder Carports.
  • Beschlag vor Glas. Solange der Flügel in Sekunden aufgehebelt ist, bringt Sicherheitsglas wenig.
  • Prüfzeichen nach DIN 18104-1 bei Nachrüstprodukten verlangen, sonst kaufst du eine Behauptung.
  • Abschließbarer Griff nur ergänzend, nie als einzige Maßnahme.
  • Zusatzschlösser paarweise und gegenüberliegend montieren.

Wenn Fenster und Haustür mechanisch auf Stand sind, ist der nächste sinnvolle Schritt eine Meldung des Angriffs. Wie das zusammenspielt, steht im Ratgeber zur Alarmanlage fürs Haus. Für die Haustür selbst geht es bei der Türsicherung weiter, und wenn niemand da ist, gehört eine glaubwürdige Anwesenheitssimulation dazu.

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Häufige Fragen

Was bringt ein abschließbarer Fenstergriff wirklich?

Er verhindert das sogenannte Durchbohren und Öffnen von außen, weil der Griff nicht mehr gedreht werden kann. Gegen reines Aufhebeln des Flügels hilft er dagegen kaum. Sinnvoll ist er deshalb als Ergänzung zu einer Verriegelung, nicht als alleinige Maßnahme.

Lohnt sich Pilzkopfverriegelung als Nachrüstung?

Wenn der vorhandene Beschlag es zulässt, ist der Austausch der Schließzapfen gegen Pilzköpfe plus passender Schließbleche die wirksamste Einzelmaßnahme am Fenster. Der Austausch gehört in Fachhände, weil Beschlagsystem und Schließbleche zueinander passen müssen. Bei sehr alten Fenstern ist ein Komplettaustausch oft die wirtschaftlichere Lösung.

Was bedeutet RC2 nach DIN EN 1627?

RC2 beschreibt ein Bauteil, das einem Täter mit einfachem Werkzeug wie Schraubendreher, Zange und Keil rund drei Minuten standhält. Die Klasse gilt immer für die geprüfte Gesamtkonstruktion aus Rahmen, Beschlag, Verglasung und Befestigung. Ein einzelnes nachgerüstetes Bauteil erzeugt keine RC2-Einstufung.

Gibt es Förderung für die Nachrüstung?

Die KfW fördert Maßnahmen zum Einbruchschutz im Bestand über ihre Programme für altersgerechtes Umbauen. Ob Zuschuss oder Kredit, welche Mindestinvestition gilt und welche Nachweise verlangt werden, ändert sich immer wieder. Prüfe die aktuellen Bedingungen direkt bei der KfW und stelle den Antrag vor Auftragsvergabe.

Reicht ein Gitter am Kellerfenster?

Nur wenn es fachgerecht im tragenden Mauerwerk verankert ist und nicht in der Wärmedämmung endet. Aufgeschraubte Gitter mit sichtbaren Schrauben von außen lassen sich in kurzer Zeit entfernen. Achte außerdem darauf, dass Fluchtwege aus dem Keller nicht dauerhaft blockiert werden.